
Was zum Trockenbau gehört
Trockenbau bezeichnet alle Innenausbauten, die ohne Mörtel und ohne Trocknungszeit auskommen. Statt gemauert wird ein Gerüst aus Metallprofilen gestellt und beidseitig mit Platten beplankt. Dazwischen liegt in der Regel eine Dämmung. Das Ergebnis ist eine Wand, die schnell steht, leicht ist und sich später wieder zurückbauen lässt.
In der Praxis fallen vier Bauteilgruppen darunter:
- Trennwände teilen Räume neu auf und stehen frei zwischen Boden und Decke.
- Vorsatzschalen sitzen vor einer Bestandswand, nehmen Leitungen auf oder verbessern den Schallschutz.
- Abgehängte Decken schaffen Platz für Technik und Beleuchtung und gleichen unebene Rohdecken aus.
- Verkofferungen verkleiden einzelne Rohre und Leitungen, etwa in Bad oder Küche.
Für die Kostenfrage ist die Unterscheidung wichtiger, als sie klingt. Die drei Bauteilgruppen liegen preislich nicht gleichauf, und sie werden auch nicht gleich abgerechnet. Wer ein Angebot vergleicht, sollte deshalb zuerst wissen, welches Bauteil überhaupt gemeint ist.
Dieser Beitrag behandelt das einzelne Handwerk. Wenn Sie wissen möchten, wie sich die Kosten eines gesamten Projekts zusammensetzen, finden Sie das im Beitrag zu den Kosten einer Komplettsanierung.
Der Preis pro Quadratmeter
Trockenbau wird fast immer pro Quadratmeter fertiger Fläche abgerechnet, nicht nach Stunden. Das macht Angebote auf den ersten Blick vergleichbar und auf den zweiten Blick trügerisch. Denn hinter demselben Quadratmeter kann ein sehr unterschiedlicher Aufbau stecken.
Die Bandbreite entsteht durch vier Größen:
- Beplankungslagen: einlagig oder doppelt, jeweils je Wandseite.
- Dämmung: ob und in welcher Stärke zwischen den Profilen gedämmt wird.
- Ständerwerk: Abstand und Profilstärke, die bei höheren Wänden zunehmen.
- Oberflächenqualität: wie fein gespachtelt wird, von der Grundverspachtelung bis zur Fläche für streifendes Licht.
Jede dieser Größen verschiebt den Preis, und jede lässt sich in einem Angebot weglassen, ohne dass es auf den ersten Blick auffällt.
Eine einfache Trennwand aus Metallständerwerk mit einlagiger Beplankung und Standarddämmung liegt im unteren Bereich der marktüblichen Spanne. Eine doppelt beplankte Wand mit erhöhten Anforderungen liegt deutlich darüber, in Einzelfällen beim Doppelten. Wer nur die Quadratmeterzahl mit einem Preis multipliziert, den er irgendwo gelesen hat, rechnet deshalb an der Realität vorbei.
Praktisch heißt das: Ein Quadratmeterpreis ohne Beschreibung des Aufbaus ist keine Information. Erst die Kombination aus Fläche und Aufbau ergibt eine belastbare Zahl.
Mit Material und ohne Material
Trockenbau-Angebote gibt es in zwei Varianten, und der Preisunterschied zwischen ihnen ist erheblich. Ohne Material zahlen Sie ausschließlich die Arbeitsleistung. Mit Material übernimmt der Fachbetrieb Einkauf, Anlieferung, Lagerung auf der Baustelle und meist auch die Entsorgung der Verschnittreste.
Beide Modelle sind üblich und beide haben ihre Berechtigung. Ohne Material lohnt sich, wenn Sie ohnehin Material beschaffen, etwa weil parallel andere Arbeiten laufen. Mit Material spart Koordinationsaufwand und verlagert das Risiko: Wenn Platten fehlen oder beschädigt ankommen, ist das nicht Ihr Problem.
Der Fehler beim Vergleichen liegt darin, die beiden Quadratmeterpreise direkt nebeneinanderzulegen. Das Angebot ohne Material wirkt dann deutlich günstiger, ist es aber nur, solange die Materialkosten nicht mitgerechnet sind. Rechnen Sie beide Varianten vollständig durch, bevor Sie entscheiden.
Decken kosten mehr als Wände
Eine abgehängte Decke ist pro Quadratmeter teurer als eine vergleichbare Trennwand. Das gilt durchgängig und hat zwei handfeste Gründe, die nichts mit dem Material zu tun haben.
Der erste Grund ist die Unterkonstruktion. Eine Wand steht auf dem Boden und wird oben angeschlossen. Eine Decke hängt an Abhängern, die an der Rohdecke befestigt und einzeln in der Höhe ausgerichtet werden müssen, damit die Fläche am Ende eben ist. Im Altbau kommt hinzu, dass Rohdecken selten eben sind, was den Ausrichtungsaufwand erhöht.
Der zweite Grund ist die Arbeitshaltung. Über Kopf zu arbeiten ist langsamer und anstrengender, und viele Arbeitsschritte brauchen zwei Personen statt einer. Beides schlägt direkt auf den Quadratmeterpreis durch.
Dazu kommen die Einbauten. Spots, Lüftungsauslässe, Revisionsöffnungen und Vorhangschienen sind jeweils eigene Arbeitsschritte, die im Quadratmeterpreis meist nicht enthalten sind. Wenn eine Decke abgehängt wird, um Technik zu verstecken, gehört diese Technik in die Kostenrechnung.
Der Preis entsteht vor dem Trockenbau
Bis hierhin ging es um Aufbau und Bauteil. Der größte Preisunterschied zwischen zwei sonst identischen Wänden entsteht aber an einer anderen Stelle: bei dem, was vor dem Trockenbau passiert ist. Trockenbau kommt in einer Sanierung fast immer zuletzt, und er erbt jeden Fehler, der davor gemacht wurde.
Drei Vorarbeiten bestimmen den Aufwand
Elektrik und Sanitär müssen ihre Leitungen liegen haben, bevor beplankt wird. Sind sie nicht fertig, wird entweder gewartet oder später wieder geöffnet. Der Untergrund muss tragfähig und einigermaßen gerade sein. Und die Anschlusspunkte an Boden, Decke und Bestandswände müssen geklärt sein, weil dort die aufwendigsten Details entstehen.
Im Altbau ist genau das der Regelfall und nicht die Ausnahme. Böden haben Gefälle, Wände sind nicht im Winkel, Decken hängen durch. Eine Trennwand, die auf einem schiefen Boden gerade stehen soll, braucht Ausgleich, und der kostet Zeit. Marktbeobachtungen beschreiben denselben Effekt: Bei Altbauten und Sanierungen sind Unebenheiten, verdeckte Leitungen und problematische Untergründe deutlich häufiger, und Nachträge entstehen dort besonders oft, weil der Zusatzaufwand erst während der Arbeiten sichtbar wird.
Daraus folgt der wichtigste praktische Rat dieses Beitrags. Ein belastbares Angebot für Trockenbau setzt voraus, dass der Fachbetrieb den Untergrund gesehen hat und dass die Reihenfolge der Arbeiten steht. Wie sich ein Sanierungsprojekt in Phasen gliedert, steht im Beitrag zur Reihenfolge der Arbeiten. Bei Atlas Projects wird der Trockenbau deshalb nicht isoliert angefragt, sondern zusammen mit den Arbeiten geplant, die ihm vorausgehen.
Das erklärt auch, warum Angebote so weit auseinanderliegen. Marktbeobachtungen nennen Spannen von 25 bis 40 Prozent für dasselbe Vorhaben. Ein Teil davon ist Kalkulation. Der größere Teil ist unterschiedliche Annahme darüber, was vorgefunden wird.
Schallschutz und Brandschutz ändern den Aufbau
Zwei Anforderungen verändern eine Trockenbauwand grundlegend, und beide werden in Kostenübersichten selten erwähnt. Sie sind aber der häufigste Grund dafür, dass eine Wand nicht als Standardaufbau ausgeführt werden darf.
Beim Schallschutz gibt die DIN 4109-1 den Rahmen vor. Für Wände zwischen unterschiedlichen Wohneinheiten verlangt sie ein bauteilbezogenes Schalldämm-Maß von mindestens 53 dB. Diese Mindestanforderung ist über die Landesbauordnungen der Bundesländer verbindlich. Die DIN 4109-5 nennt zusätzlich 56 dB als erhöhten Schallschutz, dieser Wert ist jedoch freiwillig und muss vertraglich vereinbart werden. Die Anforderungen im Detail beschreibt eine Übersicht zur DIN 4109.
Der Punkt, an dem das teuer wird: Eine einfach beplankte Standardwand liegt in der Größenordnung von rund 42 dB und erreicht die geforderten 53 dB damit nicht. Für eine Wohnungstrennwand braucht es einen anderen Aufbau, üblicherweise doppelte Beplankung mit durchgehender Dämmung, in anspruchsvollen Fällen zwei voneinander entkoppelte Ständerwerke. Jede dieser Stufen kostet Material und Arbeitszeit. Wer eine Wand zwischen zwei Wohnungen nach Standardpreis kalkuliert, kalkuliert das falsche Bauteil.
Beim Brandschutz läuft es ähnlich. Verlangt die Bauaufsicht eine bestimmte Feuerwiderstandsklasse, ist der Aufbau vorgegeben. Für F30 genügt im Regelfall eine einlagige Beplankung ab 12,5 Millimetern je Seite. Für F90-A ist je Wandseite eine doppelte Beplankung mit 12,5 Millimeter starken Feuerschutzplatten nötig, die Wanddicke liegt dann zwischen 100 und 150 Millimetern. Maßgeblich ist immer die Systemzulassung des jeweiligen Herstellers, nicht die Plattenstärke allein.
Der dritte Sonderfall ist der Feuchtraum. In Bädern und Küchen werden imprägnierte Gipsplatten verwendet, bezeichnet als Typ H2 nach DIN EN 520 beziehungsweise GKBI nach DIN 18180. Ihre Wasseraufnahme ist auf maximal zehn Prozent begrenzt. Welche Platte wo zulässig ist, richtet sich nach der Wassereinwirkungsklasse und ist im Merkblatt 5 des Industrieverbands Gips beschrieben. Wie sich das im Bad auswirkt, steht im Beitrag zur Badsanierung.
Selbst bauen oder beauftragen
Trockenbau gilt als das Handwerk, bei dem Eigenleistung am ehesten möglich ist, und für eine einfache Trennwand in einem Nebenraum stimmt das auch. Das Material ist überschaubar, die Werkzeuge sind bezahlbar, und Fehler lassen sich korrigieren.
Die Grenze verläuft dort, wo eine Anforderung dranhängt. Sobald eine Wand Schallschutz zwischen Wohnungen leisten, eine Feuerwiderstandsklasse erfüllen oder in einem Feuchtraum stehen soll, entscheidet die Ausführung darüber, ob die Anforderung erfüllt ist. Ein einzelner nicht abgedichteter Anschluss kann den Schallschutz einer sonst korrekt gebauten Wand zunichtemachen. Bei abgehängten Decken kommt die Befestigung in der Rohdecke hinzu, die tragfähig sein muss.
Ein zweiter Punkt wird oft unterschätzt: die Spachtelarbeit. Sie bestimmt, wie die fertige Fläche aussieht, und sie ist der Arbeitsschritt, an dem Laien am häufigsten scheitern. Bei streifendem Licht zeigt eine ungleichmäßig gespachtelte Fläche jeden Übergang.
Wer beauftragt, sollte sich das Angebot nicht als Zahl, sondern als Beschreibung geben lassen. Diese Angaben gehören hinein:
- Art, Profilstärke und Abstand des Ständerwerks
- Zahl und Stärke der Beplankungslagen je Wandseite
- Art und Stärke der Dämmung
- Geforderte Qualitätsstufe der gespachtelten Oberfläche
- Behandlung der Anschlüsse an Boden, Decke und Bestandswände
- Umgang mit Türöffnungen und Durchbrüchen
- Ob Material enthalten ist und wer die Reste entsorgt
Erst mit diesen Angaben lassen sich zwei Angebote auf gleicher Basis vergleichen, und erst dann ist ein Preisunterschied aussagekräftig.
Die Angaben in diesem Beitrag sind allgemeine Orientierung. Der konkrete Aufbau einer Wand oder Decke hängt von der jeweiligen Systemzulassung und den bauaufsichtlichen Anforderungen an Ihrem Objekt ab und gehört in die Hand eines Fachbetriebs. Atlas Projects plant und beauftragt Trockenbau als Teil der Komplettsanierung in Frankfurt und im Rahmen der Altbausanierung, wo der Zustand des Bestands den Aufwand bestimmt.
Häufige Fragen
zum Thema.
Was kostet eine Trockenbauwand pro Quadratmeter?
Abgerechnet wird beim Trockenbau fast immer pro Quadratmeter fertiger Fläche. Eine einfache Trennwand aus Metallständerwerk mit einlagiger Beplankung liegt im unteren Bereich der marktüblichen Spanne, eine doppelt beplankte Wand mit Dämmung deutlich darüber. Entscheidend ist nicht die Fläche allein, sondern der geforderte Aufbau: Jede zusätzliche Lage Beplankung, jede Dämmung und jede Anforderung an Schall- oder Brandschutz verändert den Preis. Ein Quadratmeterpreis ohne Beschreibung des Aufbaus sagt deshalb wenig aus.
Was ist der Unterschied zwischen Angeboten mit und ohne Material?
Bei einem Angebot ohne Material bezahlen Sie nur die Arbeitsleistung, das Material beschafft der Bauherr selbst. Der Quadratmeterpreis liegt dadurch spürbar niedriger, die Materialkosten kommen aber vollständig dazu. Bei einem Angebot mit Material übernimmt der Fachbetrieb Einkauf, Anlieferung und in der Regel auch die Entsorgung der Reste. Beide Varianten sind üblich. Vergleichbar werden sie erst, wenn Sie sie nicht nebeneinanderlegen, sondern jeweils vollständig durchrechnen.
Was kostet es, eine Decke abzuhängen?
Eine abgehängte Decke liegt pro Quadratmeter über einer vergleichbaren Wand. Dafür gibt es zwei Gründe. Die Unterkonstruktion ist aufwendiger, weil sie an der Rohdecke befestigt und in der Höhe ausgerichtet werden muss. Und es wird über Kopf gearbeitet, was langsamer geht und mehr Personal bindet. Kommen Einbauleuchten, Lüftungsauslässe oder Revisionsöffnungen dazu, steigt der Aufwand weiter.
Warum unterscheiden sich Angebote für dieselbe Wand so stark?
Weil selten dieselbe Leistung angeboten wird. Unterschiede entstehen bei der Zahl der Beplankungslagen, bei Dämmung, bei der Qualitätsstufe der Spachtelarbeit und bei der Frage, ob Material enthalten ist. Marktbeobachtungen nennen Spannen von 25 bis 40 Prozent zwischen Angeboten für ein und dasselbe Vorhaben. Vergleichbar werden Angebote erst, wenn im Leistungsverzeichnis derselbe Aufbau steht.
Welche Anforderungen gelten an eine Wand zwischen zwei Wohnungen?
Die DIN 4109-1 verlangt für Wände zwischen unterschiedlichen Wohneinheiten ein bauteilbezogenes Schalldämm-Maß von mindestens 53 dB. Diese Mindestanforderung ist über die Landesbauordnungen verbindlich. Ein erhöhter Schallschutz von 56 dB nach DIN 4109-5 ist möglich, aber freiwillig und muss vertraglich vereinbart werden. Eine einfach beplankte Standardwand erreicht diesen Wert nicht, der Aufbau muss also entsprechend geplant werden.
Was muss im Angebot stehen, damit ich vergleichen kann?
Sinnvoll ist ein Leistungsverzeichnis, das den Aufbau beschreibt statt nur die Fläche: Art und Abstand des Ständerwerks, Zahl und Stärke der Beplankungslagen, Dämmung, geforderte Qualitätsstufe der Oberfläche, Umgang mit Anschlüssen an Boden, Decke und Bestandswände sowie die Behandlung von Öffnungen für Türen. Dazu die Angabe, ob Material enthalten ist und wer entsorgt. Erst mit diesen Angaben lassen sich zwei Angebote auf gleicher Basis nebeneinanderlegen.