Zuerst die undichte Stelle finden

Bevor Sie irgendetwas kaufen, finden Sie heraus, wo genau die Luft hereinkommt. Zugluft am Fenster hat mehrere typische Quellen, und jede verlangt eine andere Maßnahme. Suchen Sie an einem kühlen oder windigen Tag mit einer dieser Methoden:

  • Kerzen- oder Feuerzeugprobe: Führen Sie eine kleine Flamme langsam an der Innenkante des geschlossenen Fensters entlang. Flackert sie oder wird zur Seite gezogen, strömt dort Luft. Halten Sie die Flamme mit Abstand zu Gardinen und Rahmen.
  • Papiertest: Klemmen Sie ein Blatt Papier zwischen Flügel und Rahmen und schließen Sie das Fenster. Lässt sich das Blatt an einer Stelle mühelos herausziehen, drückt der Flügel dort nicht fest genug an. Das deutet auf Dichtung oder Beschlag.
  • Handrücken: Die empfindliche Haut am Handrücken spürt Luftzug gut. Fahren Sie langsam die Fugen ab, besonders in den Ecken und an der unteren Kante.

Merken Sie sich, wo es zieht. Die vier häufigsten Stellen sind die umlaufende Dichtung zwischen Flügel und Rahmen, die Fuge zwischen Rahmen und Wand hinter der Laibung, der Rollladenkasten darüber und der Anschluss unter der Fensterbank. Die folgenden Schritte gehen genau diese Punkte der Reihe nach durch.

Die Flügeldichtung erneuern

Die Gummidichtung, die rund um den Flügel läuft, wird mit den Jahren hart, rissig und flach. Dann schließt sie nicht mehr sauber. Der Austausch gegen eine selbstklebende Dichtung ist die einfachste und wirksamste Selbsthilfe.

Entscheidend ist das richtige Profil. Messen Sie zuerst die Spaltbreite: Legen Sie ein kleines Stück Knetmasse in ein Stück Frischhaltefolie, klemmen Sie es zwischen Flügel und Rahmen, schließen Sie kurz das Fenster und messen Sie die zusammengedrückte Dicke. Danach wählen Sie das Profil:

  • E-Profil für kleine Spalten bis etwa dreieinhalb Millimeter,
  • P-Profil für mittlere Spalten bis rund fünf Millimeter,
  • D-Profil für breite Spalten bis etwa sieben Millimeter.

Ziehen Sie die alte Dichtung heraus, sofern sie in einer Nut sitzt, oder reinigen Sie den Falz gründlich von Resten, Fett und Staub. Die Selbstklebeband-Dichtung haftet nur auf sauberem, trockenem Untergrund. Kleben Sie sie in einem Zug auf, ohne sie zu dehnen, und schneiden Sie in den Ecken auf Gehrung, damit kein Spalt bleibt. Prüfen Sie zum Schluss, ob sich das Fenster noch leicht schließen lässt. Klemmt es, ist das Profil eine Nummer zu dick.

Beschlag nachstellen: fester andrücken

Oft ist gar nicht die Dichtung schuld, sondern der Flügel drückt nicht mehr fest genug an. Mit den Jahren senkt sich der Flügel leicht, und der Anpressdruck lässt nach. Das lässt sich am Beschlag nachstellen, kostet nichts und ist häufig der eigentliche Fix.

Öffnen Sie das Fenster und schauen Sie an der Flügelkante entlang. Sie sehen mehrere Schließzapfen, bei modernen Fenstern kleine exzentrische Rollen oder Pilzköpfe. Mit einem Inbusschlüssel oder einer Zange drehen Sie diese Zapfen so, dass sie beim Schließen stärker hinter das Rahmenstück greifen und den Flügel fester an die Dichtung ziehen. Viele Fenster haben eine ausgewiesene Winterstellung mit höherem Anpressdruck. Drehen Sie behutsam, stellen Sie alle Zapfen gleichmäßig und prüfen Sie mit dem Papiertest, ob das Blatt jetzt überall klemmt.

Lässt sich der Flügel sichtbar nicht mehr gerade schließen oder schleift er, sind zusätzlich die Scharniere und das untere Ecklager justierbar. Das ist Feinarbeit, bei der ein Fachbetrieb schneller und dauerhafter zum Ergebnis kommt.

Die Fuge zwischen Rahmen und Wand

Zieht es nicht am Flügel, sondern seitlich aus der Laibung, dann sitzt das Leck in der Anschlussfuge zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk. Genau hier haben viele ältere Frankfurter Altbauten ihre Schwachstelle, weil der Rahmen früher nur mit Mörtel oder brüchig gewordenem Bauschaum eingesetzt wurde.

Für einen schmalen, festen Spalt innen genügt ein dauerelastisches Acryl, das sich überstreichen lässt. Ziehen Sie es sauber in die Fuge und glätten Sie es mit dem feuchten Finger. Ist die Fuge breiter oder unregelmäßig, gehört ein vorkomprimiertes Dichtband (Kompriband) hinein, das sich ausdehnt und die Fuge dauerhaft schließt. Wichtig: Eine Anschlussfuge außen und innen unterschiedlich behandeln. Innen dicht gegen Raumluft, außen schlagregendicht, aber dampfoffen. Wird das vertauscht oder alles einfach mit Schaum zugefüllt, wandert Feuchtigkeit in die Fuge und es bildet sich Schimmel an der Laibung.

Reißt der Putz an der Laibung immer wieder oder ist die Fuge auf ganzer Länge offen, ist das kein reines Dichtungsthema mehr, sondern ein Zeichen für einen unsauberen Fenstereinbau. Dann lohnt der fachliche Blick, bevor Sie Material investieren.

Rollladenkasten und Fensterbank

Zwei Stellen werden fast immer vergessen, obwohl sie zu den größten Kälteeinfallstoren gehören.

Der Rollladenkasten über dem Fenster ist oft nur dünn ausgekleidet und mit einem zugigen Gurtdurchlass versehen. Von innen lässt sich der Kasten mit passgenau zugeschnittenen Dämmplatten aus dem Baumarkt nachrüsten, und für den Gurtdurchlass gibt es kleine Bürsten- oder Klappendichtungen. Das spürt man an kalten Tagen sofort.

Unter der Fensterbank innen zieht es, wenn der Anschluss zur Wand nicht sauber verschlossen ist. Ein dauerelastischer Dichtstoff entlang der Rückkante schließt den Spalt. Zieht es dagegen von der äußeren Fensterbank her herein, ist meist deren Anschluss an den Rahmen undicht, das prüfen Sie am besten von außen.

Schnelle Hilfen für den Winter

Manchmal muss es schnell und günstig gehen, etwa in einer Mietwohnung oder bis zur geplanten Sanierung. Dafür gibt es ehrliche Übergangslösungen, die man aber als das sehen sollte, was sie sind: temporär.

  • Isolierfolie: Eine transparente Folie wird auf den Rahmen geklebt und mit dem Föhn faltenfrei gestrafft. Sie bildet ein Luftpolster vor der Scheibe und dämpft die Kältestrahlung einer Einfachverglasung merklich.
  • Zugluftstopper: Eine mit Füllung beschwerte Rolle vor die untere Kante gelegt hält Bodenzug ab, ersetzt aber keine Dichtung.
  • Selbstklebendes Schaumband: Das günstige Moosgummi ist ein Notbehelf für eine Saison. Es wird schnell hart und ist keine dauerhafte Alternative zu einer richtigen Profildichtung.

Wer jeden Winter zu diesen Mitteln greift, hat kein Dichtungsproblem mehr, sondern ein Fensterproblem.

Wann Abdichten nicht mehr reicht

Abdichten lohnt sich, solange Rahmen und Verglasung im Kern in Ordnung sind. Ab einem gewissen Punkt ist jede weitere Dichtung nur noch Symptombekämpfung. Diese Anzeichen sprechen für einen Austausch statt für den nächsten Dichtstreifen:

  • Einfachverglasung: Eine einzelne Scheibe kann man nicht abdichten, sie strahlt Kälte ab und beschlägt innen.
  • Beschlag zwischen den Scheiben: Kondenswasser oder ein milchiger Belag im Scheibenzwischenraum bedeutet, dass die Isolierverglasung selbst undicht ist. Das lässt sich nicht reparieren.
  • Morsche oder verzogene Rahmen: Holzrahmen, die sich nicht mehr sauber schließen lassen oder an denen die Farbe großflächig abplatzt und das Holz weich ist.
  • Schimmel an der Laibung: Tritt er trotz neuer Dichtung und richtigem Lüften weiter auf, stimmt die Bauphysik am Anschluss nicht.

In diesen Fällen ist der Fenstertausch im Zuge einer energetischen Sanierung der sinnvollere Weg. Neue Fenster nach aktuellem Standard senken den Wärmeverlust deutlich, und für den Austausch gibt es Förderung. Welche Töpfe von KfW und BAFA infrage kommen und wie der Antrag läuft, lesen Sie im Ratgeber zur Förderung 2026. Wie wir alte Fenster im Zuge einer Altbausanierung gegen die energetische Hülle mitdenken, lesen Sie auf der Leistungsseite.

Aus der Bauleitung: Dieser Ratgeber stammt aus der Praxis von Atlas Projects. Wir sanieren Wohnungen, Bäder und Häuser in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet und prüfen bei jedem Aufmaß auch Fenster, Anschlussfugen und Laibungen als Teil des Substanz-Befunds. Fragen zu Ihrem Projekt beantworten wir in einer kostenfreien Erstberatung.

Service-ÜbersichtZur Leistung: Altbausanierung

Häufige Fragen
zum Thema.

Wie dichte ich ein zugiges Fenster ab?

In drei Schritten. Erstens die undichte Stelle finden, etwa mit einer Kerzenflamme oder einem dünnen Blatt Papier, das Sie entlang der Kanten führen. Zweitens die passende Maßnahme wählen: eine neue selbstklebende Flügeldichtung, wenn es zwischen Flügel und Rahmen zieht, oder ein Nachstellen des Beschlags, wenn der Flügel zu locker anliegt. Drittens die Fuge zwischen Rahmen und Wand prüfen, denn dort zieht es in Altbauten besonders oft. Erst wenn all das nichts bringt, ist das Fenster selbst das Problem.

Welches Dichtungsprofil brauche ich, D, E oder P?

Das hängt von der Spaltbreite ab. Messen Sie den Abstand zwischen Flügel und Rahmen, indem Sie ein Stück Knetmasse einklemmen und die zusammengedrückte Dicke messen. Für kleine Spalten bis etwa dreieinhalb Millimeter passt ein E-Profil, für mittlere bis rund fünf Millimeter ein P-Profil, für breite bis etwa sieben Millimeter ein D-Profil. Die Buchstaben beschreiben die Querschnittsform des Gummis. Ein zu dickes Profil lässt sich das Fenster kaum noch schließen, ein zu dünnes dichtet nicht.

Warum zieht es trotz neuer Dichtung immer noch?

Dann sitzt die Undichtigkeit nicht am Flügel, sondern woanders. Häufigste Ursachen: ein zu gering eingestellter Anpressdruck am Beschlag, sodass der Flügel gar nicht fest genug an die Dichtung drückt, oder eine offene Anschlussfuge zwischen Rahmen und Mauerwerk hinter der Laibung. Auch ein ungedämmter Rollladenkasten und der Spalt unter der Fensterbank sind klassische, oft übersehene Zugluftquellen. Prüfen Sie diese Stellen der Reihe nach mit der Kerzen- oder Papierprobe.

Wie stelle ich den Anpressdruck am Fenster ein?

Über die Schließzapfen am Flügelrand. Bei modernen Kunststoff- und Holzfenstern sind das kleine, meist exzentrische Rollen oder Pilzköpfe, die im geöffneten Zustand am Flügel sichtbar sind. Mit einem Inbusschlüssel oder einer Zange drehen Sie den Zapfen ein Stück, sodass er den Flügel stärker an die Dichtung zieht. Die höhere Winterstellung erhöht den Anpressdruck, kostet nichts und ist oft der eigentliche Fix. Drehen Sie behutsam und prüfen Sie mit dem Papiertest, ob das Blatt jetzt klemmt.

Hilft Isolierfolie gegen Kälte am Fenster?

Als Übergangslösung ja, als Dauerlösung nein. Eine transparente Isolierfolie, die auf den Rahmen geklebt und mit dem Föhn gestrafft wird, bildet ein kleines Luftpolster vor der Scheibe und dämpft die Kältestrahlung einer Einfachverglasung spürbar. Sie ersetzt aber keine intakte Verglasung und keine dichte Anschlussfuge. Wenn Sie jeden Winter zur Folie greifen müssen, ist das ein deutliches Zeichen, dass das Fenster energetisch am Ende ist.

Wann muss ein Fenster ausgetauscht statt abgedichtet werden?

Wenn nicht die Dichtung, sondern die Substanz das Problem ist. Klare Anzeichen sind Einfachverglasung, Kondenswasser oder Beschlag zwischen den Scheiben (die Verglasung ist dann undicht), verzogene oder morsche Holzrahmen, die sich nicht mehr sauber schließen lassen, sowie Fenster, an denen trotz neuer Dichtung und nachgestelltem Beschlag weiter kalte Luft und Schimmel an der Laibung auftreten. Dann ist ein Austausch im Zuge einer energetischen Sanierung sinnvoller als jedes weitere Abdichten.