Wandschlitze mit verlegten Leerrohren im unverputzten Altbau vor dem Verputzen
Leerrohre liegen, die Wände sind offen. Das ist der einzige Moment, in dem sich die Elektrik ohne Zusatzkosten festlegen lässt. Das Bild ist ein Symbolbild, mit KI erstellt.

Wann eine Elektroinstallation im Altbau erneuert werden muss

Eine Elektroinstallation altert nicht sichtbar. Sie funktioniert, bis sie es nicht mehr tut, und deshalb wird die Frage nach der Erneuerung fast immer von außen ausgelöst: durch einen Umbau, einen Eigentümerwechsel oder eine Prüfung. Drei Befunde sind dabei belastbar.

  • Fehlender Schutzleiter. In Anlagen aus der Zeit vor den siebziger Jahren findet sich häufig die sogenannte klassische Nullung, bei der Schutz- und Neutralleiter zusammengeführt sind. Für Neuinstallationen ist sie seit der Ausgabe Mai 1973 der VDE 0100 nicht mehr zulässig, seither muss in Endstromkreisen ein getrennter Schutzleiter geführt werden.
  • Fehlender Fehlerstromschutzschalter. Ein Sicherungskasten, in dem nur Schmelzsicherungen oder Leitungsschutzschalter sitzen, schützt Leitungen, nicht Menschen. Der Fehlerstromschutzschalter tut das. Fehlt er, ist der Austausch des Verteilers der erste Schritt, unabhängig davon, wie viel sonst erneuert wird.
  • Sichtbare Alterung. Brüchige Isolierungen, Stegleitungen unter Putz, warme Steckdosen, wiederkehrend auslösende Sicherungen. Jeder dieser Punkte ist ein Grund für eine Prüfung, nicht für Abwarten.

Bemerkenswert ist, was daraus rechtlich folgt. Für elektrische Anlagen gibt es keinen Bestandsschutz in dem Sinn, in dem man ihn aus dem Baurecht kennt. Eine vorhandene Anlage darf weiter betrieben werden, solange sie unverändert bleibt und von ihr keine konkrete Gefahr ausgeht. Sobald sie erweitert oder wesentlich verändert wird, entfällt diese Duldung, und es gilt der aktuelle Stand der Technik.

Dieselbe Grenze zieht auch die Sicherheitsprüfung. Stellt eine Elektrofachkraft fest, dass eine Anlage nicht mehr sicher betrieben werden kann, weil die Isolierung messbar nachgelassen hat, weil sichtbare Schäden bestehen oder weil bereits Fehlerströme aufgetreten sind, spielt das Baujahr keine Rolle mehr. Für Eigentümer, die vermieten, ist das der Punkt, an dem aus einer technischen Frage eine Verantwortungsfrage wird. Für Selbstnutzer ist es der Punkt, an dem sich Abwarten nicht mehr rechnet.

Eine Sanierung ist genau ein solcher Eingriff. Wer Wände öffnet, Räume neu zuschneidet oder Leitungen ergänzt, kann die Frage nach der Elektrik nicht auf später vertagen. Sie ist mit dem ersten Schlitz gestellt. Was insgesamt zu einer Erneuerung der Substanz gehört und wo die Grenze zwischen Renovierung und Eingriff verläuft, steht in unserem Beitrag zur Kernsanierung.

Teilsanierung und Vollsanierung der Elektrik

Zwischen einer neuen Steckdose und einer neuen Anlage liegen zwei klar unterscheidbare Umfänge. Sie zu trennen ist die erste Entscheidung, die im Gespräch fällt, weil sie über Preis, Dauer und Bewohnbarkeit gleichermaßen entscheidet.

Bei der Teilsanierung bleibt die vorhandene Struktur bestehen. Erneuert wird abschnittsweise, meist dort, wo ohnehin gearbeitet wird: Küche und Bad, weil dort die Leistungsaufnahme am höchsten und der Schutzbedarf am größten ist. Der Zählerschrank bleibt, einzelne Stromkreise kommen hinzu. Das ist die pragmatische Lösung für Wohnungen, deren Anlage im Kern tragfähig ist.

Bei der Vollsanierung wird die Anlage vom Hausanschluss bis zur letzten Dose neu aufgebaut. Neue Unterverteilung, neue Leitungswege, neue Stromkreise nach dem tatsächlichen Bedarf. Das ist der Regelfall in einem Altbau, dessen Installation aus der Zeit vor den siebziger Jahren stammt, und es ist der Fall, für den die Frage nach dem Zeitpunkt überhaupt relevant wird.

Die Zahl der Stromkreise ist dabei der Punkt, an dem am häufigsten zu knapp geplant wird. Eine Wohnung aus dem Bestand hat oft eine Handvoll Stromkreise für die gesamte Fläche. Heute liegen allein in einer Küche mehrere, dazu kommen Bad, Beleuchtung, Arbeitsplätze und je nach Situation eine Ladeeinrichtung. Nachträglich einen Stromkreis zu ergänzen bedeutet, den Weg zwischen Verteiler und Raum noch einmal zu öffnen.

Was den Preis einer Elektrosanierung bestimmt

Kostentabellen im Netz rechnen fast durchweg nach Quadratmetern. Das ist eingängig und für die Angebotslage wenig aussagekräftig, weil die Fläche keinen der drei Posten beschreibt, die tatsächlich zählen.

  • Leitungswege und Schlitze. Der größte Einzelposten ist selten das Material, sondern die Arbeit an der Wand. Stemmen, Ausbessern, Entsorgen. Wie viel davon anfällt, hängt davon ab, ob vorhandene Leerrohre nutzbar sind und wie die Räume zugeschnitten werden.
  • Zahl der Stromkreise. Jeder Stromkreis ist eine eigene Leitung vom Verteiler bis zum Raum, mit eigenem Weg und eigener Absicherung. Die Zahl der Steckdosen wirkt sich dagegen weit weniger aus, als die meisten annehmen.
  • Zählerschrank und Unterverteilung. Ein Zählerschrank, der die heutigen Anforderungen nicht mehr erfüllt, muss ersetzt werden. Das ist ein eigener Posten mit Abstimmung zum Netzbetreiber und lässt sich nicht umgehen.

Eine Teilerneuerung einzelner Bereiche bewegt sich deshalb in einer mittleren vierstelligen Größenordnung, eine vollständige Erneuerung in einem Altbau deutlich darüber, bei größeren Flächen im hohen fünfstelligen Bereich. Diese Spannen sind Erfahrungswerte und ersetzen kein Aufmaß. Belastbar wird eine Zahl erst, wenn jemand die Wände gesehen und den Verteiler geöffnet hat.

Für den Vergleich zweier Angebote ist die Endsumme deshalb die unbrauchbarste Zahl. Aussagekräftig ist, ob beide Angebote von derselben Zahl an Stromkreisen ausgehen, ob der Zählerschrank in beiden enthalten ist, wer das Ausbessern der Schlitze übernimmt und wer den Bauschutt entsorgt. Genau an diesen vier Positionen entstehen die Unterschiede, die später als Nachtrag auftauchen. Ein Angebot, das die Leistungen einzeln ausweist, ist im Zweifel auch dann das bessere, wenn seine Summe höher aussieht.

Der Zeitpunkt der Rohinstallation entscheidet

Eine Elektroinstallation entsteht in zwei getrennten Durchgängen. Im ersten, der Rohinstallation, werden Schlitze gestemmt, Dosen gesetzt, Leerrohre und Leitungen verlegt. Danach ist von der Arbeit nichts mehr zu sehen, denn im zweiten Durchgang, der Endmontage, kommen Schalter, Steckdosen und der Verteiler hinzu. Dazwischen liegen andere Arbeiten, und deren Reihenfolge ist der eigentliche Punkt.

In der Praxis läuft ein Innenausbau von außen nach innen und von oben nach unten. Die Rohinstallation der Elektrik liegt nach dem Rohbau und vor Putz und Estrich, damit die Leitungen verdeckt geführt werden können. Sanitär läuft parallel, weil beide unterschiedliche Bereiche betreffen, und beide müssen fertig sein, bevor verputzt wird. Das ist keine Norm, sondern gelebte Praxis, und sie hat einen einfachen Grund: Alles, was nach dem Verputzen noch in die Wand soll, muss die Wand wieder öffnen.

Daraus folgt der teuerste vermeidbare Fehler dieses Themas. Wer die Sanierung in Auftrag gibt und den Elektriker erst danach sucht, weil das Thema noch Zeit hat, lässt frisch verputzte Wände wieder aufstemmen. Bezahlt wird dann zweimal derselbe Meter: einmal für Putz, einmal für das Öffnen, das Schließen und das Nachbessern. Hinzu kommt der Zeitverlust, denn nach dem Schließen muss erneut getrocknet werden.

Diese Trocknung ist der zweite Grund, warum der Termin zählt. Für Estrich gilt als Faustregel etwa eine Woche je Zentimeter Aufbauhöhe, bei größeren Stärken deutlich länger, und freigegeben wird über eine Feuchtemessung und nicht über den Kalender. Diese Wochen liegen im Terminplan ohnehin. Wer sie einmal einplant, verliert nichts. Wer sie zweimal braucht, verliert einen Monat. Wie sich die Phasen einer Sanierung insgesamt aneinanderreihen, haben wir in Ablauf und Bauzeit einer Sanierung beschrieben.

Was die Bauleitung vor dem Unterputz klärt

Die Rohinstallation ist der Punkt, an dem Entscheidungen unumkehrbar werden. Sichtbar wird davon nichts, und deshalb fallen diese Entscheidungen häufig nebenbei. Bei Atlas Projects koordiniert eine feste Bauleitung die Bauphasen, und der Termin vor dem Verputzen ist einer der wenigen, bei denen wir auf einer gemeinsamen Begehung bestehen. Vier Fragen werden dort beantwortet.

  1. Wo steht die Unterverteilung. Ihre Position bestimmt die Länge sämtlicher Leitungswege und damit einen spürbaren Teil des Preises. Sie gehört dorthin, wo sie zugänglich bleibt und die Wege kurz hält, nicht dorthin, wo gerade Platz ist.
  2. Wie viele Stromkreise werden gelegt. Das ist die Entscheidung mit der längsten Wirkung. Ein heute zusätzlich gelegter Kreis kostet die Leitung. Ein später ergänzter Kreis kostet die Wand.
  3. Wo stehen Möbel und Geräte. Die Position von Küchenzeile, Bett, Schreibtisch und Fernseher entscheidet über die Position der Dosen. Wer diesen Grundriss beim Rohinstallations-Termin nicht kennt, verteilt Dosen nach Vermutung.
  4. Was wird vorbereitet, ohne heute gebraucht zu werden. Ein Leerrohr zur Garage, eine Reserve zum Dachboden, ein zusätzlicher Weg zum Zählerschrank. Solange die Wand offen ist, kostet das fast nichts.

Der gemeinsame Nenner dieser vier Punkte ist banal und trotzdem der Kern des Themas: Sie kosten wenig, solange sie rechtzeitig gestellt werden, und viel, sobald die Wand zu ist.

Warum der Netzanschluss dem Fachbetrieb vorbehalten ist

Bei fast jeder Sanierung gibt es Arbeiten, die sich in Eigenleistung erledigen lassen. Die Elektrik gehört nicht dazu, und das ist nicht nur eine Empfehlung. Nach § 13 der Niederspannungsanschlussverordnung dürfen Arbeiten an der Anlage außer durch den Netzbetreiber nur durch ein Installationsunternehmen ausgeführt werden, das in das Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen ist. Für reine Instandhaltungsarbeiten gilt das nicht, ausgenommen ist dabei der Abschnitt zwischen Hausanschlusssicherung und Messeinrichtung.

Die praktische Folge ist eindeutig. Ohne einen eingetragenen Betrieb wird kein Zähler gesetzt und keine Anlage in Betrieb genommen. Wer eine Installation selbst herstellt und anschließend anschließen lassen will, findet niemanden, der die Verantwortung dafür übernimmt, denn die Eintragung ist an eine fachliche Qualifikation gebunden und mit ihr an eine Haftung.

Dazu kommt die Frage, die sich erst im Schadensfall stellt. Entsteht ein Brand, prüft die Versicherung die Ursache. Eine nicht fachgerecht hergestellte Installation ist an dieser Stelle ein Problem, das sich nachträglich nicht mehr heilen lässt. Was in Eigenleistung sinnvoll bleibt, ist das Ausräumen, das Abdecken und je nach Absprache das Stemmen. Alles, was danach kommt, gehört in die Hand von Handwerkern mit der entsprechenden Eintragung.

Förderung und Steuerabzug für die Elektrosanierung

Für die Erneuerung der Elektrik allein gibt es in aller Regel keinen eigenen Fördertatbestand. Förderprogramme setzen an Zwecken an, nicht an Handwerksbereichen: an der Energieeffizienz, an der Barrierereduzierung, an der Einbruchsicherheit. Ist die Elektroinstallation Teil einer solchen Maßnahme, kann sie mitgefördert werden. Steht sie für sich, ist sie es nicht. Welche Programme derzeit offen sind und woran sie anknüpfen, steht in unserem Beitrag zur Förderung für Sanierungen 2026.

Unabhängig von jeder Förderung bleibt der steuerliche Weg. Nach § 35a EStG ermäßigt sich die Einkommensteuer um 20 Prozent der Aufwendungen für Handwerkerleistungen, höchstens jedoch um 1.200 Euro im Jahr. Der Abzug gilt ausdrücklich nur für Arbeitskosten, Material zählt nicht mit. Voraussetzung sind eine Rechnung und die Zahlung auf das Konto des Handwerksbetriebs. Eine Barzahlung schließt den Abzug aus.

Zwei Dinge folgen daraus für die Angebotsphase. Erstens sollte die Rechnung Arbeits- und Materialkosten getrennt ausweisen, sonst lässt sich der abziehbare Anteil nicht belegen. Zweitens lohnt es sich, bei größeren Vorhaben über die zeitliche Verteilung nachzudenken, weil der Höchstbetrag je Kalenderjahr gilt.

Bleibt der Satz, mit dem dieser Beitrag angefangen hat. Über die Kosten einer Elektrosanierung entscheidet der Zeitpunkt mehr als der Preis je Steckdose. Wenn Sie eine Sanierung planen, in der Elektroarbeiten vorkommen, sprechen Sie uns an, bevor der Terminplan steht. Atlas Projects führt Elektro, Sanitär und Heizung im eigenen Haus aus und stimmt sie über eine feste Bauleitung aufeinander ab. Genau dort entsteht der Unterschied.

Service-ÜbersichtZur Leistung: Komplettsanierung

Häufige Fragen
zum Thema.

Was kostet es, die komplette Elektrik im Haus zu erneuern?

Eine vollständige Erneuerung in einem Altbau liegt in einer hohen fünfstelligen Größenordnung, eine Teilerneuerung einzelner Bereiche im mittleren vierstelligen Bereich. Entscheidend ist nicht die Quadratmeterzahl, sondern der Zustand der Bestandsanlage: Wie viele Leitungen lassen sich in vorhandenen Wegen führen, wie viele Schlitze müssen neu gestemmt werden, und ist der Zählerschrank noch verwendbar. Diese drei Fragen beantwortet nur ein Aufmaß vor Ort. Jede Spanne aus dem Netz ersetzt es nicht.

Wann sollte man die Elektrik erneuern?

Drei Anlässe sind belastbar. Erstens das Alter und die Bauart der Anlage, erkennbar an fehlenden Schutzleitern, alten Stegleitungen oder einem Verteiler ohne Fehlerstromschutzschalter. Zweitens ein sicherheitsrelevanter Befund bei einer Prüfung. Drittens, und das ist der wirtschaftlich günstigste Zeitpunkt, ein ohnehin anstehender Eingriff in Wände oder Böden. Wer im Rahmen einer Sanierung mit erneuert, zahlt die Öffnung der Wände nur einmal.

Wie lange dauert es, die Elektrik zu erneuern?

Die reine Arbeitszeit teilt sich in zwei Abschnitte. Die Rohinstallation, also Schlitze, Leerrohre und Leitungen, dauert in einer Wohnung üblicherweise einige Arbeitstage. Die Endmontage mit Dosen, Schaltern und Verteiler dauert kürzer. Zwischen beiden liegt eine Wartezeit, die nicht die Elektrik verursacht: Putz und Estrich müssen trocknen. Für den Estrich gilt als Faustregel etwa eine Woche je Zentimeter Aufbauhöhe, bei größeren Stärken deutlich länger. Freigegeben wird über eine Feuchtemessung, nicht über den Kalender.

Wird neue Elektrik gefördert?

Elektroarbeiten für sich genommen sind in aller Regel kein eigener Fördertatbestand. Anders kann es aussehen, wenn sie Teil einer geförderten Maßnahme sind, etwa bei einem altersgerechten Umbau oder einer energetischen Sanierung. Unabhängig davon steht der Steuerabzug für Handwerkerleistungen offen: Nach § 35a EStG ermäßigt sich die Einkommensteuer um 20 Prozent der Arbeitskosten, höchstens um 1.200 Euro im Jahr. Material zählt nicht mit, und es braucht eine Rechnung sowie eine Überweisung.

Kann man die Elektrik selbst erneuern?

Nein, jedenfalls nicht bis zum Anschluss. Nach § 13 der Niederspannungsanschlussverordnung dürfen Arbeiten an der Anlage außer durch den Netzbetreiber nur durch ein Installationsunternehmen ausgeführt werden, das in das Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen ist. Das ist keine Formsache: Ohne diese Eintragung setzt niemand den Zähler, und im Schadensfall steht die Frage der Versicherungsdeckung im Raum. Eigenleistung ist beim Ausräumen und beim Stemmen möglich, nicht an der Installation selbst.

Muss ich während der Elektrosanierung ausziehen?

Bei einer Teilerneuerung in aller Regel nicht. Bei einer vollständigen Erneuerung entstehen Zwischenzustände, in denen einzelne Räume ohne Strom sind, und am Tag des Verteilerwechsels ist die Wohnung vollständig stromlos. Planbar ist das, wenn die Reihenfolge der Räume vorher festgelegt wird und Küche und Bad zuletzt an der Reihe sind. Kommt Putz und Estrich hinzu, ist das Wohnen währenddessen kaum sinnvoll, weil die Trocknungszeit die Räume ohnehin blockiert.